USB-Stick statt Gesundheitskarte: Das bringt viel mehr Speicherplatz

Ärzte Zeitung, 03.06.2005 - Internet: www.aerztezeitung.de

Unternehmer bastelt an einer Alternative zur E-Card, die Geld sparen soll

SIEGEN (SH/ger). Die Einführung der neuen Gesundheitskarte wird laut Plan mit der zugehörigen Infrastruktur mindestens 1,4 Milliarden Euro kosten. Es gäbe auch günstigere Lösungen, die ähnliche Vorteile beim Umgang mit Gesundheitsdaten bringen könnten - sagt ein IT-Unternehmer aus Siegen.

USB-Stick oder Gesundheitskarte? Ein Unternehmer aus Siegen sagt, da der Einsatz des Sticks im Vergleich zur Karte viel Geld sparen knnte. Montage: sth
USB-Stick oder Gesundheitskarte? Ein Unternehmer aus Siegen sagt, daß der Einsatz des Sticks im Vergleich zur Karte viel Geld sparen könnte. Montage: sth

Nils Finkernagel, Geschäftsführer des Unternehmens NF-Solutions, hat eine IT-Lösung für USB-Sticks entwickelt, die alternativ zur Gesundheitskarte eingesetzt werden könnten. Vorteile der USB-Sticks: Sie haben weitaus mehr Speicherkapazität als die E-Card, und sie sind im Computerbereich überall einsetzbar.

Der Stick bietet Platz für Röntgenbilder

Finkernagel arbeitet mit Sticks, die mindestens 64 Megabyte Daten und damit die 1000fache Menge einer Karte fassen können. Sticks mit höherer Kapazität können Datenmengen bis zur 15 000fachen Kapazität einer Chipkarte aufnehmen. Der Stick hat somit Platz nicht nur für Rezepte oder Arztbriefe, sondern auch für Röntgen- und Ultraschallbilder und mehr.

Auch in den meisten Arztpraxen stehen inzwischen moderne Computer mit USB-Ports. Praxisinhaber müßten also kein Geld für ein Lesegerät investieren, weil er zum Lesen der Informationen auf dem Intelligent Health Stick (IHS) - so nennt Finkernagel sein Produkt - in den bereits vorhandenen Anschluß schieben muß.

Finkernagels Projekt hätte noch ein paar Vorteile: Es ist dezentral angelegt, weil die Patientendaten nur auf dem Stick und damit nur beim jeweiligen Patienten abgespeichert werden. Eine riesige Server-Infrastruktur, wie sie für die neue Gesundheitskarte geplant ist, würde damit überflüssig. Hacker hätten keine Chance zum Datenklau in zentralen Datenspeichern, weil die Daten dezentral gesichert sind.

Finkernagel denkt daran, auf einem einzigen Server lediglich zu speichern, welchen Arzt ein Patient zuletzt besucht hat. Falls einmal der Stick verlorengeht, könnten die beim Arzt gespeicherten Daten dann für ein Update auf einem Ersatzstick genutzt werden.

Nur 550 Millionen statt 1,4 Milliarden Euro Kosten?

Es sei außerdem daran gedacht, auf diesem Einzelserver auch Statistiken zum Beispiel über Verordnungen abzulegen, auf die dann die Krankenkassen zugreifen könnten.

Finkernagel schätzt, daß er sein Projekt mit rund 550 Millionen Euro (inklusive der Verteilung von rund 60 Millionen USB-Sticks an die Versicherten) finanzieren kann. Das wäre nur ein Drittel der bereits veranschlagten Kosten von 1,4 Milliarden Euro für die Einführung der E-Card.

Der Arztsohn hat sein Konzept im vergangenen Jahr in Berlin vorgelegt. Dort hat man aber nicht reagiert. "Es sieht fast so aus, als wolle man von einer günstigeren Lösung nichts wissen", meint Finkernagel.

Klar ist: Wer etwas anderes als die Gesundheitskarte will, muß das Gesetz ändern. Ob der USB-Stick tatsächlich die bessere Variante ist, müßte Finkernagel daher mit Sicherheit zunächst in kleineren Projekten, zum Beispiel der Integrierten Versorgung, zeigen.

Kontakt per E-Mail: nils.finkernagel(at)t-online.de

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