Sind USB-Sticks Alternative zur E-Card?

Ärzte Zeitung, 27.11.2006 - Internet: www.aerztezeitung.de

NAV-Virchowbund Nordrhein arbeitet an einer kostengünstigen Gegenlösung zur elektronischen Gesundheitskarte

KÖLN. Um zu einem besseren Datenaustausch im Gesundheitswesen zu gelangen, braucht man kein Megaprojekt wie die elektronische Gesundheitskarte. Bei geringeren Kosten und weniger Risiko ließe sich mit dem großflächigen Einsatz von USB-Sticks bereits viel erreichen, glaubt Fritz Stagge, niedergelassener Gefäßchirurg aus Essen.

E-Card oder USB-Stick - das ist eine Glaubensfrage. Montage: sth
E-Card oder USB-Stick - das ist eine Glaubensfrage. Montage: sth

Von Ilse Schlingensiepen

Mit der Bezirksgruppe Ruhr des NAV-Virchowbunds Nordrhein hat Stagge eine Initiative unter dem Namen Maxidoc gestartet. Das Motto der Initiative: "Machen statt meckern: USB-Stick als Alternative zur E-Card".

"Auf einem USB-Stick lassen sich Untersuchungsergebnisse und sinnvolle Patientendaten gut speichern und transportieren", sagt Stagge. Der transportable Datenspeicher sei von Ärzten und Patienten leicht handhabbar, das Verfahren schnell und kostengünstig. Eine Vernetzung mit einem zentralen Server brauche man dabei nicht.

Ein Datenmißbrauch ist bei IT-Lösungen nicht auszuschließen

"Ich denke, mit IT-Lösungen von der Größe der elektronischen Gesundheitskarte muß man sehr vorsichtig sein", erklärt Stagge. Die Gefahr des Mißbrauchs der Daten sei dabei sehr groß.

Nicht so beim USB-Stick, glaubt er. "Der Patient ist Herr seiner Daten, Ausspähen und Ausnutzen sind praktisch unmöglich." Einen hundertprozentigen Schutz könne es natürlich nicht geben, kriminelle Aktivitäten seien nie ganz auszuschließen, weiß er. Die Gefahren sind aber nach Einschätzung von Stagge deutlich geringer als bei der elektronischen Gesundheitskarte.

Aufmerksam geworden auf das Thema USB-Stick ist er durch den Allgemeinmediziner Dr. Franz Tenbrock aus dem westfälischen Waltrop, der die kleinen Datenspeicher bereits in seiner Praxis einsetzt. Tenbrock wiederum arbeitet mit dem Unternehmer Nils Finkernagel zusammen, der eine IT-Lösung für den Einsatz von Sticks im Gesundheitswesen entwickelt hat (wir berichteten). Eine größere Verbreitung des Systems ist ihnen bislang noch nicht gelungen.

Das soll sich mit der Unterstützung durch den NAV-Virchowbund jetzt ändern, hofft Stagge. Noch ist es eine Initiative des nordrheinischen Landesverbands, er will es aber zum Bundesthema machen. Stagge ist stellvertretender Vorsitzender in Nordrhein und Beisitzer im Bundesvorstand. "Ich suche Mitstreiter in allen Gruppen, damit möglichst viele sich beteiligen", sagt er.

Ärzte benötigen keine Zusatzsoftware

Für Maxidoc werde zur Zeit die Software fertiggestellt, die Ärzten das Schreiben auf USB-Sticks ermöglicht, berichtet er. Die Software für den Stick selbst sei bereits fertig. Ist das Projekt abgeschlossen und sind die Sticks im Einsatz, soll der Patient - der sich den USB-Stick kaufen muß - die alleinige Entscheidungsfreiheit darüber haben, welche Daten dort gespeichert werden und wer Zugriff bekommen soll. Da die Dokumente im PDF-Format abgelegt werden, benötigen Ärzte keine Zusatzsoftware. Was die Nutzung von Maxidoc Ärzte und Patienten kosten wird, steht nach Angaben von Stagge noch nicht genau fest.

Mehr Informationen über das Projekt auf der Homepage des NAV-Virchowbunds:
www.nav-virchowbund.de, dann Rubrik Landesverbände anklicken.

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