Krankenkassen: Siegener entwickelt Alternative zur umstrittenen Gesundheitskarte
WESTFALENPOST (WP), 15.01.2010
Internet: www.derwesten.de
Nils Finkernagel hat den maxiDoc entwickelt.
Von Volker Dörken
Hagen/Siegen. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler stoppt Ende 2009 die Ausgabe der Gesundheitskarte. Die Technikerkasse, DAK, Barmer und Gmündener Ersatzkasse geben trotzdem sensible Daten ihrer Versicherten an Firmen weiter, die Gesundheitskarten produzieren.
Die Folge: Der Deutsche Ärztetag sorgt sich um das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient.
Riesiges Netz
Zur Erinnerung: Nach den Vorstellungen des Bundesverbandes der Informationswirtschaft und Telekommunikation - kurz Bitkom - soll für das Funktionieren der Gesundheitskarte in Deutschland ein riesiges Netz zwischen rund 80 Millionen Patienten, 100.000 Arztpraxen, mehr als 20.000 Apotheken und 2.000 Krankenhäusern geknüpft werden. "Ein Umsatzpotenzial von 50 bis 60 Milliarden Euro", schätzt die europäische Gesundheitskommission.
Zentrale Speicherung
Doch die zentrale Speicherung der Patientendaten stößt bei vielen Ärzten auf Kritik. "Genetische Informationen - zum Beispiel, ob man Erbkrankheiten hat - dürfen nirgendwo zentral lagern", betont Klaus Bittmann vom NAV-Virchow-Bund. Bei einer zentralen Speicherung und Abrufbarkeit der Daten über das Internet werde dem Missbrauch, Viren und Hackern Tür und Tor geöffnet.
Patientendaten
Dem stellt der Siegener Nils Finkernagel mit seinem Produkt maxiDoc ein völlig anderes und auch noch kostengünstiges Prinzip entgegen: "Bei uns hält der Patient seine Daten selbst in der Hand." Statt auf die zentrale Speicherung setzen Nils Finkernagel und sein Vater Dr. Holger Finkernagel, seit 35 Jahren niedergelassener Arzt in Bad Berleburg, auf ein spezielles USB-Stick-System.
Vater und Sohn
Vater und Sohn Finkernagel haben gemeinsam mit dem Waltroper Arzt und Diplom-Ingenieur Franz Tenbrock die "selbstbestimmte Alternative" zur Gesundheitskarte entwickelt. Entwickler Nils Finkernagel: "Von dem Arzt für den Arzt." Rund 400.000 Euro haben sie in das Stick-System investiert, bis es serienreif war. Bei der jüngsten Fachmesse - der Medica in Düsseldorf - haben die ministerialen Gesundheitsexperten Christa Thoben, Daniel Bahr und Karl-Josef Laumann MaxiDoc begutachtet - und als gut befunden.
Vorteile
Denn der Stick birgt viele weitere Vorteile: Der Patient kauft ihn für etwa 60 Euro. Anschließend speichert der Hausarzt alle Daten auf dem Stick ab. Ebenso verfahren Apotheken, Krankenhäuser und Fachärzte. Niemand braucht (weltweit) ein spezielles Lesegerät. maxiDoc funktioniert an jedem Computer mit USB-Anschluss. Eine hohe Datensicherheit ist garantiert. Denn nur die Notfalldaten sind frei zugänglich.
Speicherkapazität
Jeden weiteren Schritt - die Lesbarkeit der sensiblen Daten - muss der Patient durch ein persönliches Passwort freigeben. So können auch Röntgenbilder, Unverträglichkeiten, Organspendeausweis oder eine Patientenverfügung auf dem Stick abgelegt werden. Welche Daten der Patient freigibt, entscheidet nur er - kein Arzt, keine Krankenkasse und auch keine IT-Firma.
Notfalleinsatz
Während die Gesundheitskarte mit einer Kapazität von 128 Kilo-Byte über das Internet nur "als Schlüssel zum Zentralspeicher" dient, ist die Aufnahmefähigkeit des USB-Sticks mit 64 Giga-Byte nahezu unbegrenzt. Er ist weltweit einsetzbar, da er seine Sprache automatisch dem Aufenthaltsort anpasst. Und auch vor Ort ist maxiDoc von Nutzen, hat sich beim täglichen Einsatz in Waltrop und Bad Berleburg als verlässlich erwiesen. Mitte des Jahres wird das DRK in Siegen-Wittgenstein prüfen, ob sich das Stick-System auch bei Notfalleinsätzen mit dem Rettungswagen bewährt.
Schlüsselbund
Für diesen Fall bringt Nils Finkernagel am Montag einen maxiDoc auf den Markt, der problemlos am Schüsselbund befestigt werden kann und somit jederzeit einsetzbar ist.
WESTFALENPOST (WP) vom 15.01.2010
Bildquelle: WP-Foto (1) von Volker Dörken

