maxiDoc, eine alternative ELGA

ÖHV (Österreichischer Hausärzteverband) - Hausarzt 11/2008
Internet: www.hausaerzteverband.at

O-TON DAS GESPRÄCH von Christian Euler

Als ich nach meiner Grußbotschaft beim Berliner ecard-Protesttag der Freien Ärzteschaft im Demonstrationszug vom roten Rathaus zum Brandenburger Tor mitging, sprach mich ein junger Kollege an und berichtete mir von seinem Projekt einer "alternativen Patientenakte." Was ich im tausendfachen Pfeifkonzert nur andeutungsweise mitbekam, versuche ich in folgendem Gespräch umfassend zu erfassen:

Arztsoftware und Patientensoftware, wie wir sie bei unserer täglichen Arbeit sehen. (Foto: Hausarzt 11/2008)

Arztsoftware und Patientensoftware, wie wir sie bei unserer täglichen Arbeit sehen. Die Funktion, wenn wir eine Datei unseres Patienten auf den Datenträger des Patienten laden wollen: Mit Hilfe eines PDF-Druckertreibers wird eine Datei aus unserem eigenen Praxis-EDV-Programm digital gedruckt, die maxiDoc Arztsoftware übernimmt diese Datei, zeigt sie kurz an, damit man sicher ist, dass das Richtige gespeichert wird und verschlüsselt sie. Der Arzt vergibt abschließend einen aussagekräftigen Dokumentennamen und speichert die Datei auf dem Stick durch Klick auf den passenden Schaltknopf (Hausarzt, Facharzt, etc.) Selbst bei langen Dokumenten (z.B. 20 Seiten) nimmt der beschriebene Vorgang nur wenige Sekunden in Anspruch, deutlich weniger als tatsächliches Ausdrucken.

maxiDoc, eine alternative ELGA (Foto: Hausarzt 11/2008)

Euler: Geschätzter Kollege Tenbrock, Sie waren so freundlich mich am e-card-Protesttag in Berlin anzusprechen und von ihren Aktivitäten rund um eine ärzte- und patientenfreundliche Patientenakte zu berichten. Wie kamen Sie als niedergelassener Allgemeinmediziner zu diesem Projekt?

Dr. Franz Tenbrock: Mein Partner, Herr Finkernagel, hat sich seit 2004 mit der USB Technologie beschäftigt. Zusammen mit seinem Vater, einem Diabetologen, versuchte man Daten auf einem USB Datenträger zu speichern. Man wollte diese Technologie im Ärztenetz breit einsetzen. Aufgrund der unterschiedlichen Softwaresysteme in den Praxen fand man aber keinen Weg für einen geordneten Datenaustausch. Kollege Finkernagel hat im Sommer 2006 in unserem Ärztemitteilungsblatt ein Interview gegeben und diese Technologie erwähnt. Diesen Artikel habe ich im Sommer 2006 gelesen und gleich im Internet recherchiert, was zu finden war.

Nils Finkernagel - Geschäftsführer der maxiDoc GmbH (Foto: Hausarzt 11/2008)

Euler: Hatten Sie so viel technisches Verständnis, dass dieser Bericht ihr Interesse weckte?

Dr. Franz Tenbrock: Ich habe vor meinem Medizinstudium über 5 Semester lang Maschinenbau studiert, zu einem Zeitpunkt als die ersten Home-PCs auf den Markt kamen. Wir haben damals viel an den Kisten gelötet und probiert ... Dieser Wissensvorsprung hat mich dann in die Lage versetzt ein Konzept zu entwickeln, wie man aus jeglicher Windows Software Daten exportieren kann. Ich habe dann Kontakt zu Nils Finkernagel aufgenommen und mich mit ihm mehrmals getroffen. Wir hatten ein gemeinsames Ziel: Verhinderung der e-card und eigene wirtschaftliche Interessen. Kurze Zeit später hat ein Patient von mir eine erste kleine Software programmiert, die auf dem USB Stick gespeichert war. Diese Software erlaubte es, die von mir mittels PDF Schreiber auf dem Stick gespeicherten Berichte, geordnet anzuzeigen. Wir hatten schnell ein Konzept für die Lesesoftware, die ja auf dem USB Stick lauffähig sein sollte.

Euler: Welche Maßstäbe legten Sie bei dieser Entwicklung an?

Dr. Franz Tenbrock: Diese Software sollte folgende Vorraussetzungen erfüllen:

  • Einfache Bedienbarkeit, nur ein Programm, das auf Anhieb bedienbar ist kann im Notfall Leben retten.
  • Datenformate, die auf jedem Rechner lesbar und darüber hinaus sicher sind.
  • Kostengünstige Umsetzung für den Patienten.
  • Kostenlose, einfach und schnell zu bedienende Software für den Arzt.
  • Einsatz auf jedem handelsüblichen PC ohne Zusatz Hardware.

Darauf haben wir uns beschränkt, nach dem Motto: weniger ist oft mehr. Nicht alles, was technisch machbar ist, bringt uns in der medizinischen Praxis weiter. Die Software wurde streng nach diesen Gesichtspunkten entwickelt, täglich machen wir Fortschritte, täglich bauen wir neue Ideen aus der täglichen medizinischen Praxis ein. Diese Software wurde nicht am grünen Tisch entwickelt, sondern sie entstand in einem zweijährigen Prozess in zwei hausärztlichen Praxen.

maxiDoc wurde als System entwickelt, Stick, Lesesoftware und Schreibsoftware bilden eine funktionelle Einheit, dies ermöglicht Datensicherheit für die Arztpraxis auf höchstem Niveau. (Foto: Hausarzt 11/2008)

Euler: Hatten Sie auch die Notwendigkeit eines besonderen Datenschutzes im Auge?

Dr. Franz Tenbrock: Aufgrund der Diskussion hier in Deutschland waren wir im letzten Jahr gezwungen die Software komplett neu aufzubauen. Die Oberfläche haben wir bewusst weiter einfach strukturiert gehalten, unter der Oberfläche ist es aber zu gewaltigen Veränderungen gekommen.

  • Alle Berichte auf dem Stick sind individuell verschlüsselt.
  • Die Arztsoftware erlaubt Zugang zu den Dokumenten.
  • Ausgesuchte Berichte (Psycho) werden nochmals verschlüsselt und sind erst nach Passwortfreigabe zu öffnen.
  • Ein eigener Patientenbereich für private Dokumente (Führerschein, Personalausweis) wurde eingerichtet.
  • Temporäre Ordner für Ärzte, die noch keine maxiDoc Schreibsoftware haben, wurden eingerichtet um auch diesen Ärzten unser System zu öffnen.
  • Das System wurde gegen Sabotage gesichert.
  • maxiDoc wurde als System entwickelt, Stick, Lesesoftware und Schreibsoftware bilden eine funktionelle Einheit, dies ermöglicht Datensicherheit für die Arztpraxis auf höchstem Niveau.

Euler: Ihr Produkt heißt demnach "maxiDoc". Wie konnten Sie ihr System gleichsam als "Nebenerwerbselektroniker" auf dieses Niveau heben?

Dr. Franz Tenbrock: Es ist tatsächlich erstaunlich, was man mit drei hoch engagierten Menschen/Freunden erreichen kann, wenn man bedenkt, wie viel Geld die Gematik hier in Deutschland schon ausgegeben hat, ohne auch nur ein funktionierendes System nach Jahren der Entwicklung vorweisen zu können. Demgegenüber besteht maxiDoc den Test mit 500 Patienten im täglichen Einsatz, bisher ohne Zwischenfall.

Euler: Ihre Gematik ist unsere Chip-Kartengesellschaft. Sie beschäftigt immerhin 70 hoch qualifizierte Techniker, die zwar etwas vorweisen können, aber auch enorme Kosten verursachen. Zurück zu maxiDoc: Was kann Ihre Patientenakte konkret im täglichen Gebrauch?

Dr. Franz Tenbrock: Meine Patienten haben alle Facharztberichte, alle Krankenhausberichte, meine komplette digitale Akte, die Röntgenbilder der letzten 2 Jahre, die EKGs und Laborwerte und alles, was ich sonst auf dem Bildschirm meiner Praxis darstellen kann, als Kopie auf ihrem maxiDoc dabei an jedem Ort auf dieser Welt. Die Notfallseite ist darüber hinaus in 8 Sprachen lesbar, die Diagnosen sind ICD kodiert und werden so international übersetzt, weitere Sprachen sind kein Problem. Die Hilfe-Dateien sind in englischer Sprache etc. Falls Sie Zeit haben und auf der Medica 2008 in Düsseldorf sind, würde ich mich freue Sie dort begrüßen zu dürfen. Wir wagen erneut den Sprung in die Höhle des Löwen unweit der deutschen Gematik und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Gerne demonstrieren wir unser Produkt auch an passender Stelle in Österreich. Voraussetzungen für Anwender sind ein funktionierendes Windows XP SP2 System, Framework 2, Adobe Reader ab Version 7.

Euler: Auf dieses attraktive Angebot komme ich gerne zurück. Wir werden uns im Österreichischen Hausärzteverband einen passenden Rahmen für diese Demonstration überlegen. Die Patienten- und Arzt-zentrierte Alternative zum gigantomanischen stattlich und staatlich geförderten ELGA/e-card-Projekt, das in Österreich schon den "big-brother-award" verliehen bekam, ist technisch und standespolitisch eine Sensation. Gerade jetzt, während eine neue Regierung in statu nascendi ist, die Diskussion um die Gesundheitsreform demnach sehr bald wieder entflammen wird, ist dieser Diskussionsbeitrag geradezu unverzichtbar.

Dr. Franz Tenbrock (Foto: Hausarzt 11/2008)

Dr. Franz Tenbrock: Wir sind bereit! Übrigens: Ihre Rede in Berlin hat mir gut gefallen. Eine vertrauensvolle Kooperation könnte ich mir gut vorstellen.

Euler: Fast hätte ich etwas Wichtiges vergessen: Die Frage nach den Kosten und wer sie trägt.

Dr. Franz Tenbrock: Klar, der Preis ist wichtig. Für die Ärzte umsonst, nur die Installationskosten müssen übernommen werden. Letztendlich profitieren der Patient und die Krankenkassen durch eine bessere Versorgung, der Arzt hat den Vorteil, dass er schneller die Dokumente handeln kann und keine Druckerkosten hat. Für die Patienten kostet die Akte einmalig 60 Euro inkl. MwSt. Dieser Preis lässt sich in der Praxis ohne Probleme durchsetzen. Es stehen neben dem "Standardstick" noch weitere Sticks zur Verfügung, wobei wir uns dabei noch nicht ganz festgelegt haben. Für einen kleinen Aufpreis bieten wir eine USB Karte und einen USB Anhänger an. Auch diese Sonderformen sollen mit unserem Logo versehen werden. Als Bonus könnten wir in unsere Software noch Werbung (Ärztenetze, Pharma etc.) dezent einblenden. Für die Zukunft haben wir noch viele Ideen im Kopf, aus der Praxis für die Praxis.

Euler: Danke nochmals und auf ein baldiges Wiedersehen bei einer Präsentation.

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