USB-Stick soll vor Datenklau schützen
Westfälische Rundschau (WR), 12.01.2012
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Gefahren der Gesundheitskarte bestehen nicht
Von Florian Bickmeyer
Der Siegener Unternehmer Nils Finkernagel hat eine Alternative zur elektronischen Gesundheitskarte entwickelt: Sein USB-Stick, auf dem eine Patientenakte verschlüsselt gespeichert wird, soll sicherer sein als das neue Kartensystem – weil die Daten nur auf dem Stick und nicht auf einem Server gespeichert werden.
Siegen. In einem einzigen Moment wurde der Praxisassistentin Ulrike Finkernagel die Gefahr bewusst. Nachts hatte sich jemand in das IT-System der Arztpraxis eingewählt, die ihr Mann Holger in Bad Berleburg betreibt. Letztlich war es nur ein Mitarbeiter des Systemanbieters, der nach eigenen Angaben Wartungsarbeiten durchführte, erzählt sie. Als sie aber von dem Vorgang erfuhr, wurde ihr eines klar: Wenn sich dieser Mitarbeiter ohne ihr Wissen einwählen konnte, dann könne es wohl auch jemand, der nicht vertrauenswürdig ist.
Und das Problem werde sich sogar verschärfen, wenn die neue elektronische Gesundheitskarte (mit Lichtbild) demnächst flächendeckend eingesetzt wird und die bisherige Krankenversicherungskarte ersetzt.
Ulrike Finkernagels Sohn Nils arbeitete zu jener Zeit bereits an einer Alternative. Er hatte nicht nur Sicherheitsbedenken, sondern fürchtete gar ein Milliardengrab. Schätzungen zufolge kosten Entwicklung und Einführung der neuen Karte etwa 17 Milliarden Euro. In England, berichtet Nils Finkernagel, wurde ein ähnliches Projekt nach Milliarden-Investitionen kürzlich eingestellt – aus datenschutzrechtlichen Gründen.
In Deutschland fehle die Transparenz, sagt Finkernagel. "Den Patienten wird vorgegaukelt, dass seine Daten auf dem Chip der Karte gespeichert werden." Tatsächlich werden Informationen wie persönliche Angaben, Krankheitsbefunde oder verschriebene Medikamente auf einem zentralen Server gespeichert. "Das ist hochgradig gefährlich", kritisiert Finkernagel.
200.000 Euro Fördergelder bewilligt
Seine Alternative, die er bereits seit 2006 in Bad Berleburg erfolgreich testet, ist ein USB-Stick. Darauf – und nirgends anders – werden die Daten einzeln verschlüsselt und passwortgeschützt gespeichert. Niemandem, außer dem behandelnden Arzt und dem Patienten, sind sie zugänglich. 2008 wurde das System vom hessischen Landes-Datenschutz-Beauftragten geprüft und für sicher befunden.
Finkernagel hat mit seiner Entwicklung kürzlich etwa 200.000 Euro Fördergelder aus dem Landesprogramm "IuK & Gender Med NRW" zugesichert bekommen. Seit dem 1. Januar kann er damit die Entwicklung seines Sticks weitertreiben – mit Unterstützung der Fachhochschulen Dortmund und Mettmann. In Bochum und Steinfurt wird das Projekt zudem von einem Ärztenetzwerk getestet.
INFO
Daten in 13 Sprachen
- Die Gesundheitskarte hat etwa 128 Kilobyte Speicherplatz. "Wir fangen bei einem Gigabyte an", erklärt Nils Finkernagel – Platz für etwa 300 Patienteninformationen.
- Die gespeicherte Notfallakte mit Angaben über chronische Krankheiten oder Allergien ist in 13 Sprachen verfügbar.
Westfälische Rundschau (WR) vom 12.01.2012
Bildquelle: WR-Foto (1) von Florian Bickmeyer


