Patientenakte am Schlüsselbund

WDR.de | Service | Gesundheit, 04.02.2010
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Alternative zur Gesundheitskarte

Von Maximilian Böttner

Praktisch, sicher und schnell - das soll die Krankenakte im USB-Stick sein. Entwickelt hat den so genannten "MaxiDoc" ein Unternehmer aus Siegen. Für Ärzte, die das System derzeit testen, taugt es als Alternative zur elektronischen Gesundheitskarte.

Liesel Schöne trägt eine Kette um den Hals. Daran hängt kein kostbares Schmuckstück. Sondern ein roter USB-Stick, der für sie aber besonders wertvoll ist. "Das ist morgens das Erste, was ich anziehe und abends das Letzte, was ich ausziehe." Der Stick ist Liesel Schönes Krankenakte - in digitalisierter Form. Die Frau aus Bad Berleburg im Kreis Siegen-Wittgenstein ist 86 Jahre alt. Wenn sie zum Arzt oder ins Krankenhaus muss, hat sie ihre Patientenakte stets dabei. Und sollte sie einmal verunglücken und nicht ansprechbar sein, dann haben Mediziner schnell alle Informationen zu ihrer Krankheitsgeschichte.

Nils Finkernagel entwickelte den speziellen USB-Stick (Bildrechte: Maximilian Böttner)
Nils Finkernagel entwickelte den speziellen USB-Stick (Bildrechte: Maximilian Böttner)

Rettende Infos schnell erfahren

Nils Finkernagel aus Siegen hat den USB-Stick, den so genannten "MaxiDoc", entwickelt. Die vergangenen vier Jahre hat der Jungunternehmer nach eigenen Angaben 400.000 Euro in die Umsetzung seiner Idee gesteckt. Der "MaxiDoc" ist im Grunde ein herkömmlicher speicherstarker USB-Stick. Darauf wird eine Software aufgespielt, die es Ärzten ermöglicht, die Notfalldaten ihrer Patienten abzuspeichern. "Wenn ein Mensch zum Beispiel einen Blutzuckerschock erleidet, braucht der Notarzt nur einen PC und dann sieht er sofort bestehende Krankheiten, Ansprechpartner, Versicherungsnummer. Also sämtliche Daten, die eigentlich erst umständlich in Erfahrung gebracht werden müssten", erklärt Finkernagel.

Darüber hinaus können auf dem Stick Facharzt-Befunde, Röntgenbilder oder auch Endoskopie-Aufnahmen hinterlegt werden. Anschließen und lesen lässt sich der Stick an jedem Rechner mit USB-Port und Windows-Betriebssystem. Zum Beschreiben des Sticks ist allerdings Finkernagels Software nötig. "Bisher nutzen rund 150 Praxen in Deutschland das System."

USB-Stick verschafft schnellen Überblick (Bildrechte: Maximilian Böttner)

Technik ist bisher gescheitert

Ähnlich wie der Stick funktioniert die elektronische Gesundheitskarte. Sie ist auch als Schlüssel für eine Patientenakte gedacht - allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Die Patientendaten sollen zentral auf mehreren Internet-Servern hinterlegt werden. Mit der Gesundheitskarte könnten Ärzte dann online über die so genannte Telematik-Infrastruktur* Patienteninformationen abfragen.

Die zentrale Datenspeicherung stößt bei vielen Ärzten in Deutschland auf Kritik. Sie befürchten zum Beispiel Missbrauch durch Hackerangriffe. Ralph Krolewski sitzt im Vorstand des Hausärzteverbandes Nordrhein und sagt: "Wir bevorzugen dezentrale Speichermedien." 35 Patienten seiner Praxis im Bergischen Land nutzen den "MaxiDoc" bisher. Krolewski findet, dass der Stick praktisch und schnell funktioniere. Das könne er von der Telematik bislang nicht behaupten. "Die Technik ist bei Feldversuchen in Nordrhein-Westfalen blutig gescheitert."

Notfalldaten gut verpackt (Bildrechte: Maximilian Böttner)

Selbstbestimmte Alternative

Auch im Krankenhaus von Bad Berleburg zieht der ärztliche Leiter nach einem neunmonatigen Test eine positive Bilanz: "Gerade in Zeiten von Ärztemangel werden hier Mediziner von administrativen Aufgaben entbunden", sagt der Chefarzt Stephan Kolbe. Insbesondere die mühsame Aufnahme von Patienteninformationen entfalle. "So ein Ding kann man am Schlüsselbund tragen und dann steckt man es in ein Lesegerät und fertig."

Aber zum "Ei des Kolumbus" mache den kleinen Datenträger die Tatsache, dass Patienten selbst über ihre sensiblen Daten bestimmen, so Kolbe: "Es sind eben nicht Informationen, die online kursieren. Hier verfügt der Patient über seine Krankengeschichte und gibt sie dem Arzt seines Vertrauens, der diese dann auch nur für diesen Zweck nutzt."

Liesel Schöne verfügt selbst über ihre Daten. (Bildrechte: Maximilian Böttner)

Politik hat abgewunken

Das Argument hat Liesel Schöne überzeugt: "Ich finde das praktisch, weil das alles in meiner Hand bleibt und niemand damit was anstellen kann." Nicht überzeugen konnte Nils Finkernagel mit seiner Entwicklung die Politik. Sie hält an der Gesundheitskarte fest. Nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums würden derzeit noch Datensicherheitsaspekte geprüft. Alternativen würden aber nicht diskutiert. Insofern hofft Finkernagel nun darauf, dass sein Stick zukünftig als Ergänzung zur Gesundheitskarte zum Einsatz kommt. Er kostet übrigens rund 60 Euro und für das Einrichten der Notfalldaten bezahlten Patienten des Hausarztes Krolewski einmalig noch 30 Euro.

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Bildquelle: Fotos (4) von Maximilian Böttner

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