Arab Health 2008: Weltweit zweitgrößte Gesundheitsmesse mit neuem Besucherrekord
Die Wüste boomt
50 % mehr Besucher in einem Jahr: Klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht ? in Dubai werden solche Messe-Träume wahr. Die Arab Health hat sich hinter der Medica zur weltweit zweitgrößten Fachmesse für Medizintechnik und Health Care entwickelt.
2008 war ein neues Rekordjahr. Mehr als 45.000 Fachbesucher aus mehr als hundert Ländern strömten vom 28. bis 31. Januar durch Dubais Internationales Ausstellungszentrum, das bedeutet ein weiteres Plus von über 10 %. Und noch ein paar Zahlen verdeutlichen das enorme Wachstum der mit Abstand größten Gesundheitsmesse im arabischen Raum. Die Zahl der Aussteller ist seit 2005 von 1.700 auf 2.200 angestiegen, die Ausstellungsfläche hat sich im selben Zeitraum auf 65.000 qm fast verdreifacht und ist an ihre Grenzen gestoßen. Mehr geht nicht, bis die Arab Health voraussichtlich 2010 in die neue Dubai Exhibition World umziehen kann - 300.000 qm Ausstellungsfläche in einer gigantischen Messelandschaft.
Mit Superlativen kann auch der Gesundheitssektor aufwarten. Der Markt im Nahen Osten wird auf 75 Mrd. US-$ geschätzt, bei einer jährlichen Wachstumsrate von 15 %. Die Petrodollars sprudeln, die Bevölkerungszahl wächst jährlich im zweistelligen Bereich und es gibt Nachholbedarf. Ein Beispiel: Saudi-Arabien rechnet in den kommenden Jahren bei einem erwarteten Bevölkerungszuwachs von 20 % mit einer Verdoppelung der Krankenhauszahl, von 264 auf 502. Kein Wunder, dass auch deutsche Hersteller, Händler und Krankenhäuser hier mitmischen wollen. Und zwar kräftig. Deutschland stellte 2008 auf der Arab Health wieder mit Abstand das größte Länder-Kontingent unter den 65 teilnehmenden Nationen. 263 Haupt- und 77 Unteraussteller beteiligten sich am von der Hamburg Messe und Congress GmbH organisierten Deutschen Pavillon, hinzu kamen 40 Direktaussteller.
So viel massive Präsenz kostet freilich einen Preis, der manchem Aussteller zu teuer erscheint: Der 3.683 qm große Pavillon wurde 2007 aus Platzgründen an den Rand des Ausstellungsgeländes verlegt, in die Za'abeel Hall. "Obwohl der Eingang der Halle als Haupteingang definiert ist, scheint dies den Besuchern nicht bekannt zu sein", stellt Markus Braun fest, der Vorsitzende der German Healthcare Export Group (GHE).
Zahlreiche Aussteller beklagen eine zu geringe Besucherfrequenz, manche erwägen gar einen vorübergehenden Rückzug. Keine leichte Entscheidung, denn egal ob Startup oder Global Player: Die Teilnahme an der Arab Health ist inzwischen auch eine Prestigefrage - und mehr als das. "Längst ist die Arab Health zu einer Drehscheibe für Handelsbeziehungen in den Nahen, Mittleren und Fernen Osten geworden", sagt Markus Braun. 80 % der stark exportorientierten GHE-Mitgliedsfirmen waren in Dubai vertreten.
Vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen biete sich hier ein optimales Umfeld, um mit Händlern und Entscheidungsträgern in Kontakt zu treten. Die Teilnahme am Deutschen Pavillon, der mit Bundesmitteln gefördert wird, macht den Messeauftritt erschwinglicher: Newcomer sparen gar rund die Hälfte der Standgebühr.
Doch obwohl dort kein Platz mehr frei war und sie ihren Stand voll bezahlen mussten, hat sich auch für den Startup maxiDoc aus Siegen der Aufwand gelohnt. "Wir waren mittendrin und hatten Publikumsverkehr ohne Ende", sagt Geschäftsführer Nils Finkernagel. 280 Kontakte mit Kunden aus dem arabischen Raum wurden geschlossen, es gibt bereits ein Office in Jordanien und auch zuhause findet die Innovation - ein USB-Stick, der beim Patienten verbleibt und dezentral dessen Gesundheitsdaten speichert - Beachtung: Im März erhielt maxiDoc den mit 10.000 Euro dotierten "Zukunftspreis Gesundheitswirtschaft". "Wir werden versuchen, wieder zur Arab Health zu gehen", sagt Finkernagel. So viel ist schon jetzt gewiss: Der Deutsche Pavillon wird auch 2009 wieder ausgebucht sein, wie die ganze Arab Health. Sie blüht, die Medizinmesse im Wüstenstaat.
Bettina Gonser
Freie Journalistin in Stuttgart
Bilder: Hamburg Messe und Congress
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